Netzwerk für Flüchtlinge, Migranten und Bedürftige
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Erfahrungsberichte

Haben Sie auch schon Erfahrungen bei der Arbeit mit Flüchtlingen und Migranten gemacht, über die Sie berichten möchten? Hier besteht die Gelegenheit dazu. Willkommen sind gute, schlechte oder auch humorvolle Erfahrungen.

Von der ehrenamtlichen Helferin Kerstin Heller, eingesandt am 13.05.2018:

Die Warteschleife

 

Bitte legen Sie nicht auf......lesen Sie weiter


Im Allgemeinen mag ich es gar nicht bei einer Hotline anzurufen, es läßt sich aber nicht immer vermeiden. Meistens habe ich nämlich das passende Passwort vergessen. Dann wird nach dem Namen meines verstorbenen Hundes gefragt, oder so ähnlich. Hat man viel Glück, kann man sogar auswählen ob man lieber mit einem Menschen sprechen möchte: „...wenn sie direkt mit einem Mitarbeiter verbunden werden möchten, bleiben sie einfach in der Leitung“.

 

Etwas spezielles sind allerdings Warteschleifen! Da hat man keine Wahl und dreht eine Schleife nach der anderen: „Ihr Anruf ist in einer Warteschleife, bitte legen sie nicht auf, wir werden ihren Anruf verbinden sobald eine Leitung frei ist.“ Dieser Tage wollte ich bei einem Amt, für jemand der gerade nicht soviel Zeit hatte wie ich, eine Auskunft erfragen. Zwischen Frühstück und Zähneputzen dachte ich, ruf ich mal schnell an, dann ist das für heute erledigt. Da landete ich in der Warteschleife. Nach 10 Minuten hab ich wieder aufgelegt um mir erstmal die Zähne zu putzen, wohl wissend, dass ich mich anschließend in der Warteschleife wieder hinten einreihen muss.

 

Danach also nochmal angerufen und wie zu erwarten landete ich erneut in der Warteschleife. Diesmal war ich aber vorbereitet. Ich wählte mit dem Dect-Telefon, so konnte ich mich im Haus frei bewegen, falls es gleichzeitig an der Tür geklingelt hätte. Und...ich hatte etwas zu schreiben bereit gelegt. So verging die erste Viertelstunde.


Sollte ich jetzt mal zwischendurch Staub wischen? Es war ein sonniger Tag, also machte ich es mir auf der Terasse gemütlich. Das Dect-Telefon griffbereit und auf lauthören gestellt, damit ich es nicht ständig ans Ohr halten musste. Während der nächsten halben Stunde tat sich nichts. Eingelullt durch die ständig gleiche Ansage und Klaviergeklimper geriet ich ins grübeln. Werden eigentlich in Deutschkursen Warteschleifen thematisiert? Wie viele Mitarbeiter des Amtes mögen wohl an der Abarbeitung der Warteschleife arbeiten und schaffen die das bis zum Ende der Sprechzeit um 12 Uhr? An welcher Stelle in der Warteschleife bin ich inzwischen angekommen? Ganz selten bekommt man auch diese Ansage zu hören: „sie sind jetzt an dritter Stelle und gleich ist ein Mitarbeiter für sie da“, ich kann mich aber nicht erinnern bei welcher Hotline das war. Oder sollte ich doch lieber spontan zum Amt fahren und eine Wartenummer ziehen, nur um eine einzige Frage zu stellen?

 

Während mir so viele Fragen durch den Kopf gingen, hab ich auf meinem Handy gegoogelt und diese interessante Information gefunden: „Für telefonische Warteschleifen haben Kunden im vergangenen Jahr knapp 150 Millionen Euro ausgeben müssen.“ Zum Glück haben wir eine Flatrate. Das Ende der Warteschleife.....habe ich nicht miterlebt. Nach 65 Minuten - ich habe echt auf die Uhr geschaut - habe ich aufgelegt.

Von der ehrenamtlichen Helferin Kerstin Heller, eingesandt am 13.05.2018:

Ausflug nach Godorf

 

Ein unbeschwerter Tag

 

Als für mich vor ein paar Monaten das Arbeitsleben aufhörte, wollten mir meine Kollegen zum Abschied eine Freude bereiten und haben gesammelt. Für persönliche Geschenke und....ein wenig Taschengeld für eine Unternehmung mit meinen „Schützlingen“. Gemeint waren unsere Flüchtlingskinder, denn meine Kollegen wussten was ich in meiner Freizeit so mache.

 

Am letzten Samstag war es dann endlich soweit. Mit 8 Grunschulkindern, verteilt auf zwei PKW, ein Mädchen- und ein Jungenauto, machten wir uns auf nach Godorf ins Spieleland. Nach noch nicht einmal 10 Minuten Fahrt, wir waren gerade am Südkreuz angekommen, die unvermeitliche Frage: „Wie lange dauert das noch bis wir da sind?“ So gespannt und aufgeregt waren die Kleinen.

 

Die Sonne schien und es war ein warmer Tag. Was ich nicht wusste, dass an solchen Tagen eine Wasserrutsche im Freigelände aufgestellt wird. Bei meinen bisherigen Besuchen war wohl immer kaltes Wetter. Nachdem die Kinder das entdeckt hatten, die Frage „warum hast du uns das nicht gesagt, wir haben keine Schwimmsachen dabei“. Da war guter Rat teuer, was tun? Außerdem hatten wir keine Handtücher, aber die konnte man sich ausleihen wie wir herausfanden. Die kennen wohl das Problem.


Es gab noch mehr Kinder die einfach samt Kleidung ins Wasser gesprungen sind. Warum nicht, da gab es fast kein Halten mehr. Der eine oder andere musste etwas länger überlegen ob er/sie das machen soll, aber dann sind alle reingesprungen. Die Kinder lachten und schrien vor Vergnügen. Sie konnten planschen, klettern, hüpfen und sich nach herzenslust austoben. Es war ein schöner, unbeschwerter Tag für sie. Demnächst sind die Kindergartenkinder dran, auch dafür reicht das gesammelte Geld noch.

Von der ehrenamtlichen Helferin Kerstin Heller, eingesandt am 02.11.2017:

Dokumentensuche – geht doch....

 

Im Verlauf eines Asylverfahrens kommt es bekanntlich irgendwann zu einem Termin zur persönlichen Anhörung, dem sogenannten „Interview“ Termin. Der Antragsteller ist hierbei verpflichtet seine Identität nachzuweisen. Zum Beispiel durch einen Pass, eine Geburtsurkunde oder auch durch einen Führerschein des Heimatlandes. Glücklich, wer ein solches Dokument dabei hat. Und wer ein solches Dokument in das neue Leben herüber gerettet hat, besitzt eine emotionale Bindung dazu, ein klitzekleines Stück Heimat, Erinnerungen....

 

Jedenfalls wurde das Originaldokument vom BAMF einbehalten und dem Besitzer nur eine Fotokopie ausgehändigt. Was erst mal nicht zu beanstanden ist. Denn: Originaldokumente werden vom Bundesamt mittels physikalisch-technischer Urkundenuntersuchungen (PTU) überprüft, so kann man auf der Homepage nachlesen. Nirgendwo steht jedoch, dass das Dokument nach Prüfung zurückgegeben wird.

 

Bis der Besitzer mich eines Tages – ein halbes Jahr nach dem Einbehalt - fragte, ob es wohl eine Möglichkeit gäbe, sein Originaldokument zurück zu bekommen. So schrieb ich erst einmal eine Anfrage per Mail an das BAMF. Zwei Wochen vergehen und ich erhalte keine Antwort. Nächste Stufe, das direkte Gespräch. Ich rufe also eines schönen Vormittags beim BAMF in Nürnberg an. Die sehr freundliche Dame klärt mich auf,  dass der Besitzer selbstverständlich das Recht hat, sein Originaldokument zurück zubekommen. Das BAMF würde nach Prüfung die Dokumente an das zuständige Ausländeramt schicken, dort könnten sie dann abgeholt werden.

 

Ich muss also nur rausfinden ob – in diesem Fall – das Dokument in Bergheim liegt. Das BAMF darf mir nämlich nicht sagen wohin sie das Dokument geschickt haben. Falls das Dokument nicht in Bergheim ist, darf nur das zuständige Ausländeramt beim BAMF nachfragen, wohin sie es denn geschickt haben. Die Ämter geben sich also nur unter Ausschluß der Betroffenen gegenseitig Auskunft.


Na dann! Ich versuche ich mein Glück in Bergheim. Die Zentrale gibt mir freundlich den Namen und die Telefonnummer der für den Buchstaben zuständigen Mitarbeiterin bekannt, unglaublich. Leider wird auch in diesem Fall meine Erfahrung bestätigt, dass man in Bergheim seltenst einen Sachbearbeiter direkt ans Telefon bekommt. Nach drei Tagen vergeblichem Telefonierens entschließe ich mich, eine Mail an die Sachbearbeiterin zu schreiben. Die Mailadresse findet man, wenn man geduldig durchhaltend durch die Homepage surft.


Schon am nächsten Tag bekam ich eine Antwort: „...der Führerschein liegt meiner Behörde vor...“. Wie lange wohl schon? Und was hätten sie mit dem Dokument gemacht, wenn wir nicht nachgefragt hätten? Am gleichen Tag, zwei EMails später, konnte ich dem glücklichen Besitzer mitteilen, dass er am nächsten Tag sein Dokument abholen kann....und ganz ohne Termin, einfach so.

 

PS (von Kerstin Heller am 11.11.2017 noch angefügt):


Die Anfrage an das BAMF schrieb ich am 21.9.17 per Mail. Völlig überraschend lag am 3.11.17 die Antwort vom BAMF in meinem Posteingang: "...für die Rückgabe von Originaldokumenten ist die zuständige Ausländerbehörde verantwortlich..." Das hatte ich ja durch telefonieren selbst herausgefunden. Im Übrigen wurde das Originaldokument, von der zuständigen Ausländerbehörde, bereits am 11.10.17 dem Besitzer ausgehändigt. Das BAMF ist mir jedenfalls keine Antwort schuldig geblieben.

Anmerkung der Redaktion:

 

Zu diesem Thema kann man nur hinzufügen, dass etliche Fälle bekannt sind, wo diese Originaldokumente nicht mehr innerhalb der BAMF-Behörde auffindbar waren, es aber deshalb große Probleme im Ablauf des Asylverfahrens gab – obwohl vom BAMF unterzeichnete Belege vorgewiesen wurden, dass diese Dokumente einbehalten wurden, mit Angabe von Ort, Datum und Behörde: „Es gibt Zweifel an Ihrer Identität“.


In anderen Fällen, obwohl keinerlei Papiere vorgelegt wurden (vielen Boots-Flüchtlingen wurde von den Schleppern geraten, ihre Papiere sicherheitshalber „dem Meer zu übergeben“, dann wäre das für das Asyl besser), wurde ohne Probleme die 3-Jahres Anerkennung seitens des BAMF ausgesprochen, obwohl alle Angaben nur auf der mündlichen Aussage des Flüchtlings beruhten. Ein insgesamt sehr seltsames, willkürliches und unorganisiertes Vorgehen, die Einzelentscheidung eher eine subjektive Entscheidung/Beurteilung des in vielen Fällen doch unerfahrenen und ungeschulten Mitarbeiters, als eine behördlich geregelte. Im heutigen Computerzeitalter, in einem der modernsten Ländern der Welt ist es bis heute nicht gelungen, das Chaos, das die Flüchtlingsbewegung 2015/2016 behördlicherseits ausgelöst hat, richtig in den Griff zu bekommen.

Ein Tag im Bubenheimer Spieleland

 

Es sind Sommerferien und die sind ja sooo lang. Was könnten wir Ehrenamtler mit unseren Kindern aus dem Container unternehmen? Vor Jahren fuhren mein Mann und ich mit unseren Enkelkindern öfter ins Bubenheimer Spieleland. Schnell gegoogelt und ja, es existiert noch. Die Eltern waren einverstanden und die Kinder sowieso.


An einem Montag war es dann soweit. Nicht nur die Badehose, sondern Getränke, kleine Snacks und Wechselkleidung wurden in Taschen und Rucksäcke gepackt. Anschließend ging es mit sechs Kindern zwischen 5 und 11 Jahren und zwei Autos los. Während der Fahrt wurden Pferde auf der Weide bestaunt und als wir an einem frisch gedüngten Feld vorbeifuhren gefragt: „wer hat denn hier gep...“ Interessant war auch das Navi, zeigte es doch die verbleibende Fahrzeit. Acht Minuten vor der Ankunft gab es eine Umleitung und das Navi sprang zurück auf 10 Minuten. Große Enttäuschung im Auto „warum fährst du denn hier lang?“

Von der ehrenamtlichen Helferin Kerstin Heller, eingesandt am 09.08.2017:

Aus dem Leben einer Hürther Flüchtlingsfamilie

 

Ein Leser, der meinen Bericht "Eine BAMF-Erlebnistour" auf unserer Webseite "Buntes Hürth" gelesen hatte, hat sich tatsächlich die Mühe gemacht meine Telefonnummer heraus zu finden. Er rief mich an, um mir mitzuteilen, dass er zwei Personen auf der Straße getroffen hätte, welche seiner Meinung nach dringend unsere ehrenamtliche Hilfe benötigen würden.

 

Kurz darauf fuhr ich in die Unterkunft um mich nach dem Befinden dieser neuen Bewohner zu erkundigen. Sie erzählten mir von all den Hindernissen und noch ungelösten Dingen und Sorgen die ihnen gerade das Leben hier erschweren.

 

Stationen der Ankunft


Im Februar kamen sie aus dem Irak in Düsseldorf an. Von dort wurden sie in ihr erstes Camp nach Bremen gefahren. Ein paar Wochen später sollten sie sich selbstständig auf die Reise nach Bonn machen um sich in der nächsten Unterkunft auf dem Gelände des BAMF in Bonn zu melden. Für sie war es eine anstrengende Irrfahrt mit dem Zug in einem fremden Land. Sie kamen völlig entkräftet und hungrig in Bonn an. Dort wurden sie erst einmal zwei Tage lang medizinisch versorgt um zu Kräften zu kommen. In Bonn konnten sie ihren Asylantrag stellen, der - es grenzt an ein Wunder - innerhalb kürzester Zeit positiv entschieden wurde. Von Bonn aus wurden sie, warum auch immer, in das Camp nach Euskirchen verlegt. Von dort kamen sie Ende Juni in Hürth an.

 

Ein Gutschein der nicht gut ist


Zum Zeitpunkt meines ersten Besuchs war das vordringlichste Problem: sie hatten kein Geld um Lebensmittel zu kaufen. Ich dachte, in Deutschland ist so etwas nicht möglich. Infolgedessen fehlte auch das Geld um die Fahrkarte für ihren Termin im Jobcenter Brühl zu bezahlen, einen weiteren Termin in Bergheim hatten sie auch schon. Also haben wir Ehrenamtler kurzentschlossen mit kleinen Geldbeträgen ausgeholfen und etwas zu Essen mitgebracht. Auch der eine oder andere Mitbewohner im Container hat ihnen etwas zugesteckt.


Vom Jobcenter hatten sie zwar einen Gutschein im Wert von 25 Euro bekommen um Lebensmittel zu kaufen, aber leider war keiner der Supermärkte, die sie im Wohnumfeld aufsuchten, bereit den Gutschein einzulösen. Was für eine beschämende Situation. Ich habe versucht beim Jobcenter telefonisch Auskunft zu bekommen. Ans Telefon ging niemand dran, also eine Mail geschrieben und innerhalb von zwei Stunden war die Antwort im Posteingang: „...genau könne man das auch nicht sagen, aber erfahrungsgemäß würden Aldi, Lidl und Real diese Gutscheine annehmen...“. Aldi ist keiner in der Nähe, Lidl baut gerade noch um und zum Real müssten sie mit dem Bus fahren. Wir sind später zusammen zum Real gefahren. Vorsichtshalber fragte ich vorher an der Information nach. „Geben sie den Gutschein einfach an der Kasse ab“, wurde mir gesagt. So gingen wir also mit dem Handyrechner durch den Supermarkt und kamen auf 25,55 Euro. Beim Einkauf unter 25 Euro wäre der Rest verfallen, das konnten sie sich nicht leisten. Als ich der Kassiererin den Gutschein statt Geld gab, rief sie ihrem Kollegen an der Nachbarkasse zu „Theo, wie mach ich das hiermit, wie geht das...“ und wedelte mit dem Gutschein rum. Mir hat das nichts ausgemacht, aber sicher meinen Begleitern.

 

Ohne Ausweis kein Konto, kein Geld


So kann es aber doch nicht weitergehen. Der bereits beantragte Ausweis benötigt bis zur Aushändigung noch 4-6 Wochen.
Ihnen stehen "Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz §3" für den notwendigen Bedarf an Ernährung, Unterkunft, Heizung, Kleidung, Gesundheitspflege und Gebrauchs- und Verbrauchsgütern zu, §3 Abs.1 Satz 1 bis 4 AsylbLG !! Ja, so ist das in Deutschland. Das Jobcenter würde ja gerne das Geld überweisen, aber leider hat diese Familie noch kein Konto. Cash oder Barschecks werden nicht ausgegeben, nur Gutscheine. „Wer ein Konto eröffnen möchte, kann dies mit folgenden Dokumenten tun: Reisepass, Aufenthaltsgestattung, Meldebescheinigung, Fiktionsbescheinigung, Reiseausweis für Staatenlose usw.“, so kann man im Internet nachlesen und „jeder Verbraucher hat das Recht auf ein Guthabenkonto“. Aber keiner ermöglicht es. Obwohl das Bundesinnenministerium vor einem Jahr eine Zahlungskonto-Identitätsprüfungsverordnung erlassen hat. Wer will, kann das hier http://www.buzer.de/gesetz/12101/index.htm nachlesen.

 

Was also kann man tun? Wenn die Familie eine Person ihres Vertrauens mit einem Konto hat, würde das Jobcenter das Geld auf dieses Konto überweisen. Ich konnte das erst gar nicht glauben, das geht? Daraufhin sind wir gemeinsam nach Brühl gefahren, ich habe meine Kontodaten angegeben und in fünf Tagen soll ihr Geld auf meinem Konto sein. Warum erst in fünf Tagen? Inlandsüberweisungen dauern in Deutschland einen Bankarbeitstag, das ist gesetzlich festgelegt.
Nachdem das Jobcenter in der Lage ist, das Geld vorübergehend auf mein Konto zu überweisen, habe ich erneut die örtlichen Sparkassen/Banken angerufen. Obwohl sie dazu verpflichtet sind, wollten sie ohne "richtigen" Ausweis kein Konto eröffnen. Zu den Sparkassen/Banken ging ich trotz negativer Aussage am Telefon persönlich hin und fragte nochmal nach. Bei einem Institut  bekamen wir noch am gleichen Tag einen Termin und jetzt ist die Familie stolzer Besitzer eines eigenen Kontos. In einer Woche werden sie ihre Bankkarte bekommen. Sie freuten sich wie Schneekönige, heute war ein superguter Tag....auch für mich.

Am 02.06.2017 erreichte uns ein Bericht unserer Ehrenamtlerin Kerstin Heller, die, wie viele andere auch, ihre „Schützlinge“ zu Behördengängen- in diesem Fall zum BAMF in Bonn - begleitete. Er unterscheidet sich nicht besonders von vielen anderen Geschichten, die man in diesem Zusammenhang hört oder selbst erlebt. Aber da Kerstin sich so viel Mühe gemacht hat, den Morgen mit einem „Augenzwinkern“ zu schildern – anders ist es auch kaum möglich, das durchzustehen – wollte sie Euch mal an ihrem Alltag teilhaben lassen.

In diesem Fall ging es um einen neuen Erdenbürger, bereits 6  Monate alt, der sich einer ID-Behandlung  unterziehen musste.  In Juristensprache bedeutet dies: Erkennungsdienstliche Behandlung mit Fingerabdrücken,  standarisierten Fotos und genauesten Ausweis- und Urkundenkontrollen.

 

Hier nun der launige Bericht:

 

Eine BAMF-Erlebnistour

 

Kopfschmerzen bereitete mir im Vorfeld die Parkplatzsituation an der Reuterstraße in Bonn, auf der ich täglich zur Arbeit fahre, denn dort gibt es praktisch keine Parkplätze. Vorige Woche rief ich daher arglos beim BAMF an um mich zu erkundigen, ob sie auf dem Gelände Parkplätze hätten. Antwort "wir küm-mern uns um Anträge nicht um Parkplätze", na gut, aber ich wollte doch nur wissen...."wir kümmern uns um Anträge nicht um Parkplätze"! Hmmm, ich fand einen Parkplatz nach dem U-turn vor der Apotheke.

 

Um 7h10 kamen wir am Eingang  Reuterstrasse an. Dort stand jemand mit der Liste aller Namen für den diesen Tag. Unser Baby wurde sogleich in der Liste gefunden, etwas erstaunt war der Mann jedoch, dass es sich um ein Baby handelt.  Wir wurden gemeinsam auf den Weg um das Gebäude herum geschickt.
"...Bitte sprechen Sie am 29.05.2017 im Zentralen Informationsservice am Seiteneingang der Ermekeilstraße vor (gegenüber Ermekeilstraße 50). Dort wird man Ihnen den Tagesablauf erläu-tern."


Die Antwort vom BAMF auf meine schriftliche Anmeldung. So warteten wir und es wurden immer mehr Wartende. Ein Schild wies darauf hin, dass die Sprechzeiten von 8-12 Uhr sind...? Kurz vor 7h30 hörte ich jemand sagen: „stell dich direkt vor das Tor, dann kommst du schneller dran“. Dadas Baby gerade gestillt wurde, postierte ich mich mit MaxiCosi ganz vorne.


Dann wurde der Eingang geöffnet, alle drängten rein, jeder wollte Erster sein. Danach wurde abgezählt, nur 16 durften rein. Die 16 wurden nochmal in zwei Gruppen geteilt, alle anderen mussten wieder vor das Tor auf die Straße, es wurde protestiert. Geschafft, wir waren in der ersten Gruppe mit 8 Personen und da wir zu fünft waren, bildeten wir sogar eine Mehrheit. Wieder wurden Listen mit Namen verglichen, erneutes Nachzählen, da die Security kurzfristig den Überblick verloren hatte.

 

Wir 8 wurden in einen kleinen Warteraum eskortiert. Hier erschloss sich mir die Gruppengröße von 8 Personen, denn es gab nur 8 Stühle. Warten bis 8 Uhr, da begann ja erst die Sprechzeit, wie wir am Tor lesen konnten. Und diese halbe Stunde benötigt die Security um Ordnung in die zwei 8-er Gruppen zu bekommen.
Ein freundlicher junger Mann bat uns um 8h20 in sein Büro - aber nur den Vater und mich, da es nicht so viel Platz gäbe. Er tippte auf seiner Tastatur rum, kopierte meinen Perso und war erstaunt, dass das Baby zum Termin musste. Er händigte uns eine Checkliste mit unserer Tagesnummer 58 aus. Hier nahm das Schicksal seinen Lauf, was wir aber noch nicht ahnten.

 

Nachdem alle 8, dabei handelte es sich eigentlich um drei Personen incl. Begleitung, bearbeitet waren, wurden wir in ein anderes Gebäude quer über den Innenhof mit jeder Menge Parkplätzen!, eskortiert. Hier wurden unsere Taschen durchsucht und man wollte uns sogar desinfizieren! Eine Wachfrau, polni-scher Akzent, mit Sprühflasche bewaffnet,  kam auf uns zu. Ich guckte sie ungläubig an und prostestierte, was das denn solle.  So durften wir nach Diskussion, kontaminiert wie wir waren, trotzdem im großen Warteraum Platz nehmen.

 

Um 9 Uhr waren etwa 50 Personen in dem Warteraum und die Luft wurde immer dicker. Mehrfach stellte ich die Frage, wie es denn jetzt weiter gehe, denn "..Dort wird man Ihnen den Tagesablauf erläutern.", siehe oben. Stoisch wurde jedes Mal mit : „Warten Sie, Sie kommen gleich dran!“  geantwortet. So vergingen 2 Stunden. Zur vollen Stunde durften die Raucher vor die Tür treten und rauchen. Wer auf Toilette wollte, konnte sich melden und wurde zu Toilettencontainern im Hof eskortiert. Den Kindern wurde bald langweilig, sie liefen umher. Ich ging vor dem Warteraum auf und ab. Das wurde uns dann verboten - wir könnten nicht einfach herumlaufen. Wir seien schließlich nach Vorgang, in die beiden Warteräume sortiert und wenn wir dran wären, wisse keiner, wo wir uns befinden-. Sprich, die Security verliert den Überblick. Davon ließ sich aber keiner abschrecken. Tatsächlich suchten sie dann eine Person, die auf der Liste stand, aber nicht anwesend war. Wahrscheinlich gerade übern Hof auf Toilette. Der vermeintliche Vorteil, morgens als Erste das Tor zu passieren, erwies sich als nichtig. Alle bekannten Gesichter tauchten nach und nach im Warteraum wieder auf.

 

Um 10h30 kam ein netter Wachmann in den Warteraum und guckte sich die Checklisten an. Entsetzt meinte er, wir seien ja noch gar nicht eingecheckt, sind wir denn nicht zum Interview hier??? Wie bit-te??? Hektisch notierte er die Tagesnummern, es betraf ca. 45 Personen. Was bedeutet das? "Warten sie, ich komme gleich wieder". Jetzt kam die Bürokratie in Gang. Es kam Unruhe auf, was war passiert? Wir bekamen selbstverständlich keine Erklärung, hätte ja eh keiner verstanden. Stattdessen wurden wieder Gruppen gebildet und ein Stockwerk höher eskortiert. Dort in einem kleineren Warteraum mit zwei Sachbearbeiterinnen am Schreibtisch, durfte jeder seine Checkliste mit Tagesnummer vorzeigen, dann wurde etwas im PC verglichen, und Häkchen auf der Checkliste gemacht. Danach in der Gruppe wieder runter in den schönen großen Warteraum. Es wurde Wasser verteilt, inzwischen war es in dem Warteraum unerträglich geworden, irgendwer hatte das mitbekommen.

 

Um 11 Uhr betrat ein einzelner Sachbearbeiter mit einer Liste(!) in der Hand den Warteraum. Ich fragte ihn, ob wir auch auf seiner Liste stehen würden.  "Nein, Sie stehen dann wohl auf meiner zweiten Liste". Ich erklärte ihm, dass wir schon stundenlang mit dem Baby warten und es doch nur um ein Foto ginge. Er ließ sich überreden, wollte auf der andern Liste nachsehen, ob dort der Name steht, dann wären wir als Nächste dran. Nach 10 Minuten kam er wieder runter, wir standen schon auf...doch nicht...er hat hier eine Gruppe, die wolle er erst noch abfertigen, danach seien wir aber dran. Nochmal 10 Minuten warten, dann waren wir um 11h20 tatsächlich dran. Das Baby wurde erkennungsdienstlich behandelt, sprich, es wurde ein Foto gemacht, in ihrer elektronischen Akte gespeichert und.....fertig! Leider hat das Baby diesen Höhepunkt in ihrem bisherigen Leben verschlafen. Das Foto zeigt ein schlafendes Baby. Was steht wohl über ihre Augenfarbe in ihrer Akte? Sind die blau oder braun?


Jetzt müssen die Eltern nur noch zum Ausländeramt nach Bergheim pilgern, um das Baby in Vaters oder Mutters Ausweis eintragen zu lassen und schon wird es auch mit dem Kindergeld klappen. Ach ja, das Baby ist erst 6 Monate alt und brauchte bisher nichts, also auch kein Kindergeld.

Eine BAMF-Erlebnistour
Eine BAMF-Erlebnistour.pdf
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