Netzwerk für Flüchtlinge, Migranten und Bedürftige
Netzwerk für Flüchtlinge, Migranten und Bedürftige

Willkommensgruppe Efferen

"Willkommen in Efferen"

Monika Stupp

email: willkommeninefferen@web.de

Jahresrückblick 2017 der Flüchtlinge im Container Efferen

 

Als Ehrenamtskoordinatorin von Buntes Hürth für Efferen möchte gibt Monika Stupp allen Interessierten einen kurzen Rückblick über 2017.
 
Von den ursprünglich 5 intensiver betreuten Flüchtlingsfamilien aus dem Container haben bis Jahresende 4 eine eigene Wohnung in Hürth finden können, die letzten ganz frisch ab 1.1.18 - das ist für sie (vor allem wegen der Kinder) eine sehr große Freude! Neben 2 offenherzigen Privatvermietern konnten sich 2 Wohnungsbaugesellschaften zur Flüchtlingsvermietung entschließen. Die Ausgezogenen werden weiterhin so gut es geht engmaschig von uns bei allem unterstützt, was für sie alleine nicht zu händeln ist. Und das ist nicht gerade wenig (z.B. Nachhilfe für Kinder und Erwachsene beim Deutsch lernen, Begleitung/Organisation von Arztterminen und bei Behördenpost, Erklärung von Schulaktivitäten, Brauchtum, Recht und Ordnung und vieles mehr...). Auch wegen der Fahrzeiten zu den Ausgezogenen musste unsere Betreuung der alten und neuen Container-Insassen leider gekürzt werden. Das Kinderspielen kann nunmehr nur noch 1x Woche angeboten werden sowie eine Samstags-Fragestunde für die Erwachsenen, neben kurzen Einzelbesuchen bei Bedarf.


Weiterhin im Container wohnt noch eine aus Damaskus/Syrien stammende, alleinstehende Mutter mit 3 Kindern und 18-jähriger Schwester, und das bereits seit Anfang 2016. Sammelunterkünfte sind wirklich nichts für eine langjährige Unterbringung mit Kindern, es droht irgendwann der Lagerkoller. Für sie wird dringend nach einer ensprechenden Bleibe in Hürth gesucht (5 Personen, Kaltmiete laut Jobcenter max. 669,71 Euro); wer etwas weiss, bitte melden! Das Sozialamt der Stadt Hürth weiss ebenfalls Bescheid, aber es fehlt auch hier wie andernorts genug öffentlicher Wohnraum für alle Bedürftigen.


Neben den vier Familien konnten einige jüngere Männer in kleine Wohnungen ausziehen. Die Belegung mit neuen Flüchtlingen hat auch für Efferen nachgelassen, wobei Neuzugänge aufgrund interner Umbelegungen innerhalb Hürths stattgefunden haben. Das jüngste Baby in der Bachstrasse ist gerade erst ein paar Wochen alt neben 6 weiteren Kindern von 1-12 nebst diversen Erwachsenen und Einzelpersonen aus Syrien, Irak, Iran, Afghanistan, Somalia, dem Kosovo etc..
 
Die Kinder über 3 Jahre haben meist erst viel später Kindergartenplätze erhalten können. Die Schulkinder tun sich mit dem Schulstoff schwer. Wieder einmal das Hindernis der mangelnden Sprache und Eltern, die selbst nicht helfen können und deren Interesse an den Dingen rund ums Kind ein anderes ist, als wir es gewohnt sind. Auch hier haken wir so gut es geht nach und bieten uns als Kontaktstelle für  Lehrer und Sozialarbeiter an. 2 Grundschuljungs gehen bereits relativ zuverlässig in die Hausaufgabenhilfe in der Ritterstrasse, das ist schön. Den Eltern wird immer wieder die Wichtigkeit von Terminen erklärt, gesundes Essen für die Kinder anzubieten, weniger Süßes, bei der Abgabe von Erklärungen zu helfen, Besuch von Schulveranstaltungen usw. sowie das Müllproblem rund um den Container nahe gelegt (Keiner will es gewesen sein...!). Steter Tropfen höhlt den Stein; aber es prasselt halt auch sehr viel auf unsere neuen Nachbarn ein, was sie vom Ursprungsland her überhaupt nicht kennen. Termine über Termine, Pünktlichkeit, Formulare und amtsdeutsche Briefe...da kommt die Zeit für rein persönliche Kontakte, kulturelles Miteinander, gemeinsam essen oder erzählen leider viel zu kurz. Für alle Bereiche der Flüchtlingsbetreuung suchen wir daher weitere Ehrenamtler/innen - nur so gelingt gute Integration!
 
Dank einiger Spenden konnten wir Fahrräder, Spielzeug und andere Sachen vermitteln. für die Kinder ab und an einen Ausflug sowie im Dezember sogar eine "echte" Nikolausfeier durchführen. Obwohl fast alle Moslems, sind Kinder und Eltern neugierig-offen für unsere Traditionen . Eine Familie hat sich sogar einen kleinen Weihnachtsbaum zurechtgebastelt. Groß und Klein ist fasziniert von unseren Festen, ob St. Martin, Nikolaus, Weihnachten, Sylvester, Karneval, Ostern oder anderes. Im Gegenzug werden einem die arabische Küche, Ramadan, Zuckerfest, Hochzeit feiern und kulturelle Unterschiede beschrieben und nahe gebracht. Nach einiger Zeit des Aneinandergewöhnens bekommt man große Herzlichkeit, Dankbarkeit und Offenheit widergespiegelt!


Der Erste unserer Flüchtlingsväter hat unlängst den Führerschein gemacht, da er nach Beendigung des Deutschkurses gerne Busfahrer werden würde. Die VHS-Sprachkurse werden nach Möglichkeit emsig besucht, wobei sie leider nicht in Vollzeit angeboten werden, sondern (wohl aufgrund zu wenigen Lehrkräften) nur Halbtags. Entsprechend langsamer geht es mit dem Spracherwerb voran; auch hier fehlen Ehrenamtler, mit denen die Flüchtlinge das Erlernte nacharbeiten könnten. Von Praktikumsplätzen zur Joberprobung will ich noch gar nicht reden. Bislang hat ein junger Syrer aus dem Container als Erster eine Stelle in der Produktion einer Großbäckerei erhalten können.
 
Alles in allem kann ich festhalten, dass "es läuft", wobei vieles sehr viel besser und rascher gelingen könnte, wenn sich mehr Mitmenschen einbringen würden. Die Idee von Buntes Hürth mit "Einzelpatenschaften" fand leider nicht genügend Anklang; auch scheuen die meisten einen regelmäßigen Termin. Ich kann nur appellieren, sich einzubringen - wir alle können davon nur gewinnen - und Möglichkeiten gibt es genug (Buntes Hürth, Gewandhaus, Asyl-Cafe usw.).


An dieser Stelle möchte ich einmal die Zusammenarbeit mit der Stadt Hürth lobend erwähnen, ohne die manche Hürde wesentlich höher wäre. Besonders jedoch alle Helfer und Helferinnen - für die geleistete "Arbeit" und Unterstützung im letzten Jahr tausend Dank - und auf ein Neues in 2018!  
 
Liebe Grüße
Monika Stupp, Buntes Hürth/Efferen

Halbjahresbericht für das 1. Halbjahr 2017

 

Die Flüchtlings-Koordinatorin von "Buntes Hürth" für Efferen, Monika Stupp, hat einen kleinen Halbjahres-Bericht für das erste Halbjahr 2017 gefertigt:

 

Liebe interessierte Mitbürgerinnern und Mitbürger,
 
als Flüchtlings-Koordinatorin von "Buntes Hürth" für Efferen möchte ich euch einen kleinen "Halbjahres-Bericht" zukommen lassen:
 
Alle 5 "Ursprungs-"Familien wohnen seit August 2016 noch im Container, eine weitere mit 4 Mädchen aus dem Irak ist vor kurzem dazu gekommen. Daneben gibt es Zu-und Abgänge von Einzelpersonen, so dass der Container nach wie vor etwa zur Hälfte besetzt ist.
 
Nachdem die meisten Familien den Schutz für 1 Jahr mit späterer Verlängerungsoption um weitere 2 Jahre erhalten haben, suchen sie (schon fast verzweifelt) eine eigene Wohnung. Dies ist neben zu organisierenden Arztbesuchen und Krankenhaus-Eingriffen momentan unsere größte "Baustelle". Die Verhältnisse im Container sind nicht als Dauerunterbringung geeignet, schon gar nicht für Kinder. Aber deren/unsere Bemühungen um eine Wohnung - auch wenn das Jobcenter bzw. Sozialamt die Kosten übernimmt - gingen bislang ins Leere. Sozialwohnungen sind leider Mangelware. Das alles ist auf die Dauer für alle sehr enttäuschend.
 
Besonders für eine unserer Familien (aus Syrien), sehr integrationsbereit und "im Verhalten fast schon als Deutsch" zu bezeichnen, suche ich in Hürth eiligst eine eigene Wohnung. Aufgrund der Residenzpflicht sind Wohnungen in anderen Städten grundsätzlich tabu.  Die Eltern + 3 gut erzogene, ruhige Kinder von 8, 5 und Baby Lin leiden sehr im Container. Eine Kaltmiete bis max. 850 Euro, so um die 75-95 qm, 3 Zimmer, wären schön. Vielleicht kennt Einer einen, der Einen kennt...wenn ja, bitte melden!! Anders als über persönliche Kontakte erscheint es mir fast aussichtslos...selbst ein Makler konnte bislang nicht helfen.
Das heisst natürlich nicht, dass wir nicht auch anderen Flüchtlingen in Efferen oder ganz Hürth bei der Wohnungssuche helfen möchten - falls es also weitere oder kleinere/größere Wohnungen  (oder Häuser) in Hürth für unsere "neuen Nachbarn" gäbe, bitte ich um Rückmeldung.
 
In diesem Zusammenhang möchte ich gerne nochmals unser Modell "Patenschaften für Flüchtlinge" erwähnen. Es werden immer noch zahlreiche Menschen gesucht, die einem speziellen Flüchtling oder einer Familie bei der Integration helfen möchten. Dies soll keine "Dauerbeschäftigung" sein; dafür würden schon 1 oder 2 Besuche die Woche oder Begleitungen bei Diesem und Jenem reichen. Oder einfach mal einen kleinen Plausch halten. Nur über persönliche, individuelle Zuwendung werden aus Fremden Freunde. Nicht mehr und nicht weniger.
 
Es gibt aber auch Positives zu berichten: Die Schulkinder, besonders die Grundschulkinder, finden sich immer besser in ihr neues Leben ein. Sie sprechen schon prima Deutsch und sind natürlich an allem besonders interessiert. Jede Abwechslung ist willkommen. Ein Highlight war Karneval und der Besuch der Kindersitzung in Efferen - danke nochmals an Herrn Blank für das Ermöglichen!
Für drei Kinder konnte die Stadt auch Kindergartenplätze bereit stellen; jetzt warten noch 3 weitere Pänz zwischen 4 und 5 auf positive Post vom Amt. Jeder Tag unter Betreuung in deutscher Sprache wäre hier ein Gewinn, auch im Hinblick auf die künftigen Einschulungen.
Neben den regelmäßigen Spielnachmittagen und Spielplatzbesuchen sowie Einzelausflügen hat es das Schwimmen gehen allen Kindern im Container angetan. Die meisten waren das 1. Mal in einem Schwimmbad. Schwimmen kann keiner von ihnen. Bis jetzt sind wir noch nicht dazu gekommen, mit Jedem 1x in die Bütt zu gehen (es muss ja eine 1x1-Betreuung erfolgen), aber wir Ehrenamtler sind auch leider keine Hundertschaft...
Im Juni haben die Lichtspielfreunde Efferen die Flüchtlingskinder zu einem Kinobesuch mit Waffeln und Popcorn zu sich eingeladen; das wird wieder ein großes Event für sie.
 
Die Erwachsenen erhalten nach wie vor Unterstützung bei allem, was sich so anhäuft und nicht verstanden wird. Deutschland ist ein Formular-Land und für einen Zugereisten ein Buch mit sieben Siegeln - für uns aber manchesmal auch! Unsere Ausrichtung geht  immer mehr in Richtung "Hilfe zur Selbsthilfe", auch wenn sich manche damit noch schwer tun. Aber gut Ding will bekanntlich Weile haben. Zur Zeit ist Ramadan für 4 Wochen, wobei wir Einige daran erinnern müssen, dass das Leben hier trotzdem tagsüber seinen gewohnten Lauf geht mit Terminen, Kindergarten, Schule etc. Mit drei Erwachsenen können wir uns schon kleinere sms schreiben - auch wenn man für das Lesen deren Antworten ein Stück weit kreativ sein muss. Dies zeigt uns, dass es auch hier so langsam voran geht.
 
So, das war eine Kurzform der wichtigsten Themen. Bitte horcht alle einmal in euch oder um euch herum, ob sich nicht eine (oder mehrere) Wohnungen auftun könnten.
Vielen Dank und herzliche Grüße
 
Monika Stupp, Buntes Hürth, Efferen

Jahresrückblick 2016 der Willkommensgruppe Efferen

 

Die Ehrenamtskoordinatorin für die Efferner Flüchtlingsarbeit, Monika Stupp, hat eine kleine Rückmeldung über Aktionen und Erfahrungen aus 2016 gegeben:

 

Seit Mitte August leben ca. 40-50 Flüchtlnge im Container bzw. auch im Häuschen daneben an der Bachstrasse. Sie werden von uns als ehrenamtliche Helfer so gut es geht betreut, ob mit Deutschunterricht, Kinderbetreuung, Nachhilfe, Unterstützung bei bürokratischen Hürden, Arztbesuchen, Vorsprechen bei Schulen und Kindergärten, Sachen besorgen usw.

 

Für den Deutschunterricht und das Kinderspielen haben wir von der Stadt 2 eigene Räume im Container erhalten, die wir entsprechend gestalten konnten. Besonders die Kinder nehmen jede Abwechslung dankbar an. Die 6-Jährigen und älter besuchen in Hürth verschiedene Schulen und 2 Kleinere haben vor kurzem Kindergartenplätze erhalten. Für 3 andere zwischen 3-5 werden noch Kita-Plätze gesucht, die aber leider rar sind. Inzwischen sind auch bereits 3 Babys hier geboren worden.

 

Inzwischen haben viele Flüchtlingsfamilien ihr (vorerst festes) Bleiberecht erhalten. Sie würden nun gerne in eigene Mietwohnungen umziehen, das Sozialamt würde die Miete übernehmen, aber aufgrund der Sprachbarrieren und sonstigen Schwierigkeiten ist die Suche nicht einfach. Sie haben es sich bis dahin in den Zimmer im Container so nett gemacht, wie es der Platz hergibt. Aufgrund der Enge und gemischen Kulturen wünschen sich natürlich alle, hier irgendwann aufziehen zu können. Fast alle möchten aber gerne in Hürth und Umgebung bleiben.

 

Viele erwachsene Männer/Väter besuchen jetzt die staatlichen Integrationskurse, die meisten Frauen kümmern sich allerdings um die Kinder und kommen daher in Punkto offiieller Integration zu kurz. Diese und wer noch keinen Integrationskurs-Platz hat, erhalten von uns Deutsch-Unterricht, um wenigstens etwas mitzukommen.

 

Dank Spenden von Kirche, Politik und Privatpersonen konnten wir neben dem Einrichten des Kinderspielzimmers u.a. Schulranzen und einiges mehr besorgen sowie eine Nikolaus- und eine Weihnachtsfeier im Container abhalten (s. Fotos). Alles wurde sehr dankbar angenommen und sich über die kleinen Geschenke gefreut (Kleidung, Süßes, Spielzeug, Hygieneartikel...). Unser Engagement wird von den Flüchtlingen mit viel Dankbarkeit zurückgespiegelt. Gerne suchen wir noch weitere Helfer, vor allem in der nachmittaglichen Kinderbetreuung (15-17 Uhr). 3 unserer Grundschuljungs dürfen beim EBC das Fußballtraining mitmachen, für sie ein Highlight.

 

Integration ist ein großes und schwieriges Thema, wenn Menschen aus einem völlig anderen Kulturkreis eintreffen. So arbeiten wir am "Problem Müll" um den Container herum und am Thema "Sauberkeit/Ordnung". Auch, dass man ohne ausreichende Deutschkenntnisse - und die bekommt man nur durch ÜBEN ÜBEN ÜBEN - nicht gut weiterkommt, muss verinnerlicht werden. Die Kindern lernen hier wirklich am schnellsten, das begeistert uns sehr. Je mehr Kontakt unsere Mitmenschen mit uns und unserer Sprache/Kultur haben, desto besser und rascher klappt es. Also - genügend Aufgaben für 2017 warten!

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